Im
folgenden wird erläutert, warum dem Rhythmus in der
Waldorfpädagogik eine große und besondere Bedeutung
zukommt.
Der
Rhythmus ist von Natur aus in jedem Menschen verankert und prägt
sein Leben und dessen Alltag. Z.B. braucht der Mensch einen Tag- und
Nachtrhythmus oder auch ein bestimmte Anzahl von Mahlzeiten. So
findet bereits ein neugeborenes Kind für sich einen eigenen
Rhythmus, sowohl in der Stillzeit, wie auch in der Schlaf- und
Wachzeit.
Von
dieser natürlichen Veranlagung, dass der Mensch eines festen
Rhythmus bedarf, geht auch der Tages- , Wochen- und
Jahresrhythmus
im
Waldorfkindergarten
aus.
Das
Kind benötigt für seine gesunde Entwicklung eine innere
Sicherheit in seinem Handeln und Denken. Um dieses Sicherheit im Kind
zu wecken, hilft uns der lebendige Rhythmus.
Unser
Kindergartentag beginnt mit einer ausgiebigen Freispielzeit in
den Gruppenräumen . In dieser Freispielzeit können die
Kinder ihrem phantasiereichen Spiel nachgehen.
Das
freie phantasievolle Spiel des Kindes wird durch das vielseitig
einsetzbare Naturspielzeug gefördert, z.B. kann ein
Holzklotz als Telefon, Brücke am Fluss oder Turm einer Burg
dienen. In der kindlichen Phantasiewelt verwandelt sich der Holzklotz
oder die Baumrinde in jene Gegenstände, welche von dem Kind im
Spiel gerade gebraucht werden.
Weiterhin
hat das Kind im
Waldorfkindergarten
die Möglichkeit, seinen
ganzen Körper im Spielgeschehen einzusetzen.
So
ist die gesamte Motorik des Kindes gefordert, wenn aus
Spielständern,
Brettern, Tüchern und Seilen Buden, Höhlen, Autos und
vieles mehr entstehen.
Für
das Kind ist nicht das geplante Spiel vordergründig wichtig,
sondern das Tun. Bei der Tat entwickeln sich Ideen in der Phantasie
und diese werden von dem Kind spontan umgesetzt. Dabei ist es nicht
von Bedeutung, dass das Spielzeug in Form und Farbe ausgestaltet ist,
sondern dass das Spielzeug Phantasie freilassend und verwandelbar
bleibt.
In
der Feispielzeit können die Kinder beim Malen mit Aquarellfarben
oder Wachsmalern oder Kneten mit Bienenwachs auch künstlerisch
tätig werden.
Auch
erleben die Kinder im
Waldorfkindergarten
täglich die
Zubereitung des Frühstücks und können hierbei selber
tätig werden. Sie helfen beim Backen der Brötchen, beim
Tischdecken oder beim Spülen im Anschluss an das gemeinsame
Frühstück.
Nach
der Freispielzeit räumen die Kinder gemeinsam mit den
Erzieherinnen auf und treffen sich anschließend zum gemeinsamen
Reigen. Der Reigen ist ein geführtes Element, in dem die Kinder
sich selbst, aber auch die anderen Kinder intensiv erleben können.
Angelehnt an die Jahreszeiten beinhaltet der Reigen Bewegungen,
Gesten und Gebärden, welche die Kinder leicht nachahmen und
mitempfinden können. Das kleine Kind schlüpft mit einer
besonderen Lebensfreude in die vielen verschiedenen Rollen. Z.B.
verwandelt es sich in einen Hasen, eine Schnecke, einen Vogel oder in
einen Baum oder Blume. Der Reigen wird von einer rhythmischen Sprache
und Liedern begleitet.
Im Anschluss waschen sich die Kinder die Hände und nehmen gemeinsam
das am Morgen zubereitete Frühstück ein. Nachdem die Kinder
mit dem Essen fertig sind, danken wir gemeinsam für die
Mahlzeit.
Die
folgende zweite Freispielzeit verbringen die Kinder bei jedem Wetter
im Garten, in dem es auch viel zu tun und zu entdecken gibt. Die
Kinder helfen hier bei anfallenden Gartenarbeiten mit, wie beim
Einsäen von Blumen und Gemüse, dem Jäten von Unkraut
oder dem Fegen des Hofes. Auch spielen die Kinder im Sand, Klettern
auf Bäume oder üben ihre Geschicklichkeit beim Balancieren
oder Seilspringen. Das Kind geht seinem Drang nach Bewegung nach und
erlebt dabei die Natur in ihrer ganzen Vielfalt.
Zum
Abschluss des Vormittags läutet ein Glöckchen die Kinder
zum Märchenkreis herein.
Dort
hören die Kinder täglich eine rhythmische Geschichte oder
ein Grimmsches
Märchen.
Um
12:15 Uhr werden die ersten Kinder dann von ihren Eltern
abgeholt. Die Kinder, die bis 14:00 Uhr den Kindergarten
besuchen, nehmen nun einen kleinen Imbiss ein.
Anschließend
wird den Kindern ein kleines Bastel- , Mal- , oder Feispielangebot
gemacht. Um sich auszuruhen gibt es ein kleine lauschige
Rückzugsmöglichkeit, welche die Kinder nutzen können.
Um 13:45 Uhr beginnt dann die Abholzeit, die um 14:00
Uhr endet.
Durch
diesen festen Rhythmus, der sich jeden Tag wiederholt, gewinnt das
Kind eine große innere Sicherheit. Es kann sich auf die sich
wiederkehrenden Elemente verlassen, sich an ihnen orientieren und so
den Kindergartenalltag gut bewältigen. Wichtig ist hierbei der
Wechsel zwischen geführten und freien Elementen des Tages. Das
Kind erfährt auf zum einen die geführte Sicherheit und zum
anderen aber auch den Freiraum, den es benötigt, um sich
individuell entwickeln und entfalten zu können. Man kann diesen
Wechsel mit dem menschlichen Atem vergleichen. Das freie Ausatmen und
das geführte Einatmen, bzw. Aufnehmen von Elementen.
Jedoch
leben und erleben wir nicht nur des Tagesrhythmus, sondern auch die
stetige Wiederholung im Laufe der Woche. So gibt es einen
ausgeglichenen Frühstücksplan und immer wiederkehrende
kreative Tätigkeiten, wie das Malen mit Aquarellfarbe oder die
Eurythmie.
Das Kind hat die Möglichkeit, Dinge zu erleben und
diese nach einem gewissen Zeitraum wieder zu erkennen. Es weiß
z.B. wenn es Dienstags Brot zum Frühstück gibt, dass an
diesem Tag auch die Eurythmie stattfinden wird. Obwohl diese
beiden
Dinge nicht in einem festen Zusammenhang stehen, kann das Kind eine
Verbindung knüpfen und sich daran sicher orientieren.
Auch
der Jahreslauf mit seinen verschiedenen Festen und Gebräuchen
begleitet uns rhythmisch Jahr für Jahr. Der Jahresrhythmus ist
von der Natur geprägt. Das Feiern der verschiedenen Jahresfeste
ist ein fester Bestandteil unserer pädagogischen Arbeit. An den
Rhythmus der Jahreszeiten werden die Märchen und Geschichten,
sowie der Reigen und das Singen von Liedern angelehnt. Das Erleben
von Frühling, Sommer, Herbst und Winter wird durch unsere
rhythmische Arbeit im Jahreslauf im Kind positiv verstärkt.