Waldorf-Kindergarten Datteln


In der heutigen so kopflastigen Zeit scheint der Mensch immer mehr „second hand“ zu leben und zu erleben. Der Geist wird hoffnungslos überfordert mit Erfahrungen, die Körper und Seele gar nicht mittragen können. Der Mensch als ganzheitliches Wesen kann sich so eigentlich gar nicht wohlfühlen, gerät aus dem Gleichgewicht. Eine Situation, die sich zunehmend auch bei den Kindern wiederspiegelt.

Darüber hinaus sind Kinder nicht in der Lage, ihre Sinneseindrücke zu filtern, sich ihrer zu erwehren, wenn es nötig wird.

Sie sind all ihren Wahrnehmung hilflos ausgeliefert. So zeigt sich hier neben dem nicht mehr wirklich Erleben die zweite Crux, Kinder werden zunehmend mit einer Reizflut einer Lawine gleich überrollt.

Ein Einordnen, Verarbeiten und auch Genießen der verschiedensten Eindrücke ist gar nicht mehr möglich.

Die Wirklichkeit, sowohl die unserer eigenen Existenz, als auch die unserer Umwelt, lässt sich aber nur mit unserem vollständigen Wesen erfahren. Erst alle Sinne in ihrer Gesamtheit lassen uns unsere Welt wirklich erleben und erlauben uns in Austausch zu treten, ein Teil von ihr zu werden.

Demzufolge ist es uns im Waldorfkindergarten ein großes Anliegen, alle Sinne der Kinder anzusprechen. Vielfältige Erfahrungsmöglichkeiten bieten wir den Kindern an. Eurythmie, verschiedenste Fortbewegungsmöglichkeiten, Klettern, Balancieren, Buden bauen, sich den Hügel herabrollen, in einen Laubhaufen springen, oder die Hände tief in einen Korb mit Kastanien zu stecken, all dies fordert das ganze Kind.

Aber nicht nur durch körperliche Aktivität sprechen wir die Sinne der Kinder an. Ebenso große Bedeutung haben Ruhe und Stille, um sich auch einmal ganz auf eine Sache einlassen zu können, zu riechen, zu sehen, zu hören, anstelle sich von einer Flut von Eindrücken, wegschwemmen zu lassen.

Um dies zu ermöglichen müssen die Spielräume der Kinder ganz bewusst ausgestaltet werden. Es muss Raum sein, der erlaubt, den ganzen Körper auszuprobieren und einzusetzen, ebenso, wie die Möglichkeit zur Ruhe zum Rückzug gegeben sein muss.

Einmal mit voller Aufmerksamkeit nur hören, wie eine Murmel die Kugelbahn herunterrollt, oder wie sich der Stein in der Hand anfühlt, usw. Eine eher zurückhaltende, harmonische Raumgestaltung schafft hier wichtige Grundvoraussetzungen.

In so einer Erlebniswelt der Sinne erfährt das Kind dann viel mehr als z.B. eine Förderung seiner Geschicklichkeit. Es erfährt sich lustvoll als Teil eines Ganzen mit all seinen Möglichkeiten, aber auch Grenzen. Und so schafft sich das Kind, ganz nebenbei, eine solide Basis, auf der sich zwischenmenschliches Miteinander entwickeln kann.