Die Nachahmung ist eine wichtige Säule in unserer Arbeit mit den Kindern im Waldorfkindergarten. Sie ist die vorherrschende Kraft in den ersten sieben Lebensjahren. Schon in den ersten Jahren kann man die Kraft erahnen. So beginnt das Kleinkind bereits früh spielerisch einfache Handlungen des Erwachsenen nachzutun, z.B. das Klatschen in beide Hände. Das Kind nimmt das Geschehene wahr und durch übendes, wiederholendes Lernen kann es die Handlungen nachahmen.
Das Kind lebt ganz in der Umwelt und nimmt diese intensiv wahr. So wird die Unternehmensfreude und die Aufmerksamkeit im Kind stets angeregt. Erkennbar wird dies z.B. wie ein Kind Geschwister nachahmt, oder den Gang der Oma bei einem Spaziergang, oder den Vater beim Reparieren des Autos.
Alles, was in der Umgebung geschieht wirkt ungefiltert nachahmenswert auf das Kind.
In den ersten sieben Lebensjahren haben Kinder noch nicht die Möglichkeit, sich als eigenständiges Wesen der Umwelt gegenüber zu stellen, um dadurch diese richtig zu beurteilen.
Im Gegensatz zum Erwachsenen, dem der Abstand hilft, sich zu erkennen und danach zu handeln und sein Eigensein bewusst zu erleben. Durch diese fehlenden Schranken des Denkens geht das Kind ganz offen und aufnehmend in seiner Umwelt auf.
Aber nicht nur die Tätigkeiten oder Handlungen wirken auf das Kind, sondern zum großen Teil auch die Gedanken und die damit verbundenen Lebenseinstellungen des Erwachsenen; z.B. den Umgang mit anderen Menschen, Tieren und der Natur.
Erlebt das Kind in seiner Umgebung Gutes, Schönes und Wahres kann es leicht spielerisch nachahmen. Würde man ihm aber keine Gelegenheit dazu geben, ließe die Schaffensfreude mit der Zeit nach.
Die Schaffensfreude im Kind zu fördern und zu stärken ist eine wesentliche Aufgabe in der Erziehung im Waldorfkindergarten.
Durch die liebevollen und sorgfältigen Handlungen der Erzieherinnen können die Kinder ihre Nachahmungskräfte individuell stärken. So können sie bei den täglich anfallenden Arbeiten mittun und der Begeisterung bei den Tätigkeiten freien Lauf lassen.
Sorgfältig beginnt die Erzieherin mit ihrer Arbeit und bindet liebevoll die Kinder nur durch ihr praktisches Vorbild mit ein. So wird z.B. mitgekocht, Obst geschnitten, gebacken oder mit Sorgfalt der Garten gehegt und gepflegt.